Wählerstromanalyse LTW Burgenland 2000

Univ.Prof. Dr. Erich Neuwirth


Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse
Graphische Darstellung der Wählerströme
Tabellenteil
Methodische Bemerkungen
Verfahrensfragen

Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse

Graphische Darstellung der Wählerströme

 

Grafik: Stimmenverteilung

Wie ist diese Graphik zu lesen (ein Beispiel):

Der zweite Balken dieser Graphik repräsentiert die ÖVP-Stimmen von 1996. Die Unterteilung dieses Balkens gibt an, wie sich die ÖVP-Wähler von 1996 bei der Wahl 2000 auf sämtliche kandidierenden Parteien verteilt haben. Da die ÖVP ca. 90% ihrer Wähler halten konnte, ist der schwarzeTeilbalken der größte Teilbalken des gesamten ÖVP-Balkens. Da sie am stärksten an die Nichtwähler verloren hat, ist der weiße Teilbalken der zweitgrößte Teilbalken.

Grafik: Stimmenzusammensetzung

 

Wie ist diese Graphik zu lesen (ein Beispiel):
Der erste Balken dieser Graphik stellt die Zusammensetzung der SPÖ-Stimmen von 2000 dar. Man sieht ganz deutlich, daß die SPÖ ihre Zugewinne vor allem von früheren Nichtwählern erzielt hat.

 

Tabellenteil

Wählerbewegungen in Stimmen

 

SPÖ

  ÖVP

FPÖ

GR

NW+So

Schw.

SPÖ

76100

0

0

0

3700

1200

ÖVP

2200

57200

100

900

4200

1000

FPÖ

1500

2100

21600

200

700

1300

GR

0

0

0

4400

0

1000

NW+So

5100

5100

1300

4400

35900

1900

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
Die zweite Zeile bedeutet, daß von allen Wählern, die 1996 die ÖVP gewählt haben, 57200 auch 2000 wieder die ÖVP gewählt haben. 2200 ÖVP-Wähler von 1995 sind 2000 zur SPÖ gewechselt, 100 Wähler zur FPÖ, 900 zu den Grünen und 4200 haben keine gültige Stimme abgegeben. Die ausgewiesenen Zahlen sind mit einer statistischen Schwankungsbreite, die für jede Partei getrennt in der letzten Spalte ausgewiesen werden, behaftet.

 

Wählerbewegungen in Prozent der Ausgangspartei

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

NW

Schw.

SPÖ

95.4%

0.0%

0.0%

0.0%

4.6%

1.6%

ÖVP

3.4%

88.6%

0.2%

1.4%

6.5%

1.5%

FPÖ

5.9%

7.9%

82.7%

0.9%

2.5%

5.1%

GR

0.0%

0.0%

0.0%

100.0%

0.0%

22.9%

NW

9.9%

9.8%

2.5%

8.5%

69.3%

3.6%

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
Die erste Zeile gibt an, wie sich die SPÖ-Wähler von 1996 bei der LTW 2000 anteilsmäßig auf die Parteien verteilt haben. Die SPÖ konnte 95,4% ihrer Wähler halten und verlor 4,6% ihrer Wähler (von 1996) an die Nichtwähler.
Auffällig an dieser Tabelle ist die ziemlich hohe statistische Unsicherheit, mit der die Schätzungen für Grüne behaftet sind. Sie sind aber methodisch unvermeidlich.

 

Zusammensetzung der Parteienstimmen

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

NW

SPÖ

89.6%

0.0%

0.0%

0.0%

8.2%

ÖVP

2.6%

88.9%

0.6%

8.9%

9.4%

FPÖ

1.8%

3.2%

93.7%

2.4%

1.5%

GR

0.0%

0.0%

0.0%

44.6%

0.0%

NW

6.0%

7.9%

5.7%

44.1%

80.9%

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
Aus der ersten Spalte können wir ablesen, dass 89,6% der SPÖ-Wähler von 2000 schon 1996 die SPÖ gewählt haben. 2,6% der SPÖ-Wähler haben 1996 die ÖVP gewählt usw.

 

Methodische Bemerkungen

Die vorliegende Wählerstromanalyse berechnet Schätzwerte für den Umfang der Wählerbewegungen zwischen den einzelnen Parteien. Sie verwendet dazu die Wahlergebnisse aller Gemeinden. Zunächst eine methodische Erläuterung am Beispiel des Vergleichs von LTW 1996 und der LTW 2000: Grundlage der verwendeten Methode ist die Annahme, daß sich die Wähler einer bestimmten Partei von 1996 diesmal (also 2000) in allen Gemeinden eines Bundeslandes nach etwa demselben Verteilungsschlüssel auf die im Jahr 2000 kandidierenden Parteien aufgeteilt haben, daß also beispielsweise der Anteil aller SPÖ-Wähler von 1996, die 2000 die ÖVP gewählt haben, in allen burgenländischen Gemeinden annähernd gleich war. Ohne eine solche oder ähnliche Annahmen sind Wählerstromanalysen nicht möglich. Unter dieser Annahme lassen sich mit ziemlich aufwendigen mathematisch-statistischen Verfahren die Wählerströme schätzen, und man kann zusätzlich auch Schwankungsbreiten für diese Schätzwerte angeben. Für die politische Interpretation der Ergebnisse ist die Angabe von Schwankungsbreiten von hoher Bedeutung, weil Wählerbewegungen, deren Umfang mit hoher statistischer Absicherung angegeben werden kann, andere Schlußfolgerungen zulassen als mit hohen Unsicherheiten behaftete Schätzungen.

Verfahrensfragen

Bei Wählerstromanalysen gibt es drei Hauptprobleme technischer Natur:

Man muß eine eigene zusätzliche "Partei der Nichtwähler" einführen, weil das Nichtwählen eine mögliche zu berücksichtigende Wählerentscheidung ist. Daher muß man auch Wählerströme von und zu dieser Gruppe berechnen und diese natürlich auch in der Analyse ausweisen. Selbstverständlich kann eine Wählerstromanalyse nur Auskunft über die Neuaufteilung der Wähler jener Parteien geben, die bei der betrachteten Vorwahl tatsächlich kandidiert haben.

Eigentlich geht das mathematische Modell der Wählerstromanalyse von der Fiktion der gleichen Wählerschaft bei beiden untersuchten Wahlen aus. Das entspricht natürlich nicht ganz der Wirklichkeit. Prinzipiell wäre es auch möglich, diese Änderung der Wählerschaft im Modell der Analyse zu berücksichtigen, allerdings stehen die dafür notwendigen Daten nicht zur Verfügung. Daher müssen wir uns mit einer Fiktion behelfen. Wir gehen von einer fiktiven Vorwahl aus, die etwa am Tage vor der aktuellen Wahl stattgefunden haben könnte, und bei der schon alle Wähler der neuen Wahl teilgenommen haben. Das (fiktive) Ergebnis dieser Wahl setzen wir so an, daß die Parteien dabei dieselben Anteile erreichen wie bei der realen Vorwahl. Das bedeutet ungefähr, daß wir zunächst einmal annehmen, daß die weggestorbenen Wähler und die Erstwähler bezogen auf die kandidierenden Parteien der Vorwahl etwa dieselbe Zusammensetzung aufweisen wie jene Wähler, die tatsächlich bei beiden Wahlen teilgenommen haben. Die berechneten Wählerströme beziehen sich dann auf den Vergleich der fiktiven Vorwahl mit der aktuellen Wahl. Hätten die weggestorbenen Wähler in höherem Maße für Partei A gestimmt als die restlichen Wähler und die hinzugekommenen Erstwähler in höherem Maß für Partei B, dann würde sich das in der statistischen Analyse als Wählerstrom von Partei A zu Partei B äußern.

Statistische Methoden liefern bei sehr kleinen Parteien keine zuverlässigen und aussagekräftigen Schätzungen mehr. Daher werden in der vorliegenden Analyse nicht alle kandidierenden Parteien untersucht, sondern nur die bereits im Parlament vertretenen. Die restlichen Stimmen werden mit den Nicht- und Ungültig-Wählern zusammengefaßt. Jene Gruppe, die wir mit der Abkürzung NW+So bezeichnen, besteht also aus den Nichtwählern, den Ungültig-Wählern und den Wählern der in der Analyse nicht gesondert ausgewiesenen Kleinstparteien.