Fehler in der Wählerstromanalyse von SORA

Erich Neuwirth
Institut für Statistik und Decision Support Systems, Universität Wien

 


Die am Wahltag im ORF publizierte SORA-Analyse ist nachweisbar falsch.
Es handelt sich nicht um mögliche Abweichungen aufgrund verschiedener Analyseverfahren, sondern um echte auch für Nichtwissenschafter erkennbare Fehler.

Mittlerweile hat SORA auf seiner Website auch eine korrigierte Analyse veröffentlicht. In ORF und Zeitungen wurde diese korrigierte Analyse aber nicht veröffentlicht.
Die ursprüngliche SORA-Tabelle lautet

 

 

ÖVP 04

SPÖ 04

FPÖ 04

Grüne 04

Nichtw. 04

Summe 99

ÖVP 99

76

7

2

1

5

91

SPÖ 99

1

74

1

1

2

78

FPÖ 99

9

20

17

3

3

52

Grüne 99

3

5

1

4

1

14

Sonstige 99

1

2

0

10

4

18

Nichtw. 99

14

16

3

4

75

111

Summe 04

104

124

24

22

90

365


In dieser Tabelle sind die Zeilensummen die Stimmenzahlen bei der LTW 1999, und die sind falsch.
Die korrekten Zahlen (ohne Wahlkartenstimmen, gerundet, in Tausend Stimmen) lauten

 

ÖVP 99

SPÖ 99

FPÖ 99

Grüne 04

Sonst. 99

Nichtw. 99

98

82

49

14

10

101


Diese Stimmensummen ergeben nicht die 365000 Wahlberechtigten der  LTW 04. Wendet man das bei Wahlanalysen übliche Aufwertungsverfahren an, dann ergibt das die (gerundete) Ausgangsbasis

ÖVP 99

SPÖ 99

FPÖ 99

Grüne 04

Sonst. 99

Nichtw. 99

101

85

51

14

10

105

 

Zum Vergleich noch einmal die falschen SORA-Werte

 

ÖVP 99

SPÖ 99

FPÖ 99

Grüne 04

Sonst. 99

Nichtw. 99

91

78

52

14

18

111

 

Daher haben SP und VP zusammen bei der LTW99 in der SORA-Analyse um 17000 Stimmen zu wenig und Sonstige und Nichtwähler zusammen um 14000 Stimmen zu viel. Diese Fehler schlagen natürlich auf alle geschätzten Wählerströme durch.

Eine Konsequenz dieses Datenfehlers ist die weit publizierte Aussage, dass weniger als die Hälfte der Wähler bei beiden Wahlen dieselbe Partei gewählt haben.
Das stimmt nicht. Eine korrekt durchgeführte Wählerstromanalyse ergibt andere Werte.

 

Hier die Ergebnisse einer korrekt durchgeführten Analyse mit korrekten Quersummen.

In dieser Analyse werden die Wähler sonstiger Parteien bei der LTW 99 zu den Nichtwählern gerechnet.

 

 

ÖVP 04

SPÖ 04

FPÖ 04

Grüne 04

Nichtw. 04

Summe 99

ÖVP 99

91

10

0

0

0

101

SPÖ 99

0

85

0

0

0

85

FPÖ 99

8

17

24

2

0

51

Grüne 99

2

1

0

5

6

14

Nichtw. 99

3

12

0

15

84

114

Summe 04

104

125

24

22

90

365

 

Die Wählerströme in dieser Tabelle sind übrigens mit einer statistischen Schwankungsbreite von ±3000 Stimmen behaftet.


Die Zahl der Wähler, die bei beiden Wahlen entweder ÖVP oder SPÖ gewählt haben ist also wesentlich höher als die falschen Zahlen der SORA-Analyse.


Quersummenprüfungen sind bei Wählerstromanalysen eine unerlässliche Kontrolle. Sie wurden aber offensichtlich nicht durchgeführt. Damit ist diese SORA-Analyse eigentlich indiskutabel.

Noch einmal ganz klar: es handelt sich hier nicht um Feinheiten statistischer Analysen,
es geht darum, dass bei einer Wählerstromanalyse die Stimmensummen mit den tatsächlichen Wahlergebnissen übereinstimmen sollten. Das ist bei der LTW04 Salzburg nicht der Fall.

 

Dieses Dokument ist am WWW unter  http://sunsite.univie.ac.at/Austria/elections/ltw04/SORAErrors.htm

verfügbar.