Wählerstromanalyse Nationalratswahl 1999

Univ.Prof. Dr. Erich Neuwirth

Vorbemerkungen
Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse
Graphische Darstellung der Wählerströme
Tabellenteil
Methodische Bemerkungen
Verfahrensfragen

Vorbemerkungen

Diese statistische Wählerstromanalyse unterscheidet sich merkbar von der im ORF noch am Wahltag publizierten Analyse. Unterschiede sind insbesondere bei politisch relevanten Fragestellungen wie etwa der Größe des Wählerstroms zwischen der SPÖ und der ÖVP einerseits und der FPÖ andererseits festzustellen. Unsere Analyse wurde im Gegensatz zur ORF-Analyse von einem wissenschaftlich ausgewiesenen Statistiker erstellt. Zumindest aus wissenschaftlich-methodischer Sicht erscheint es daher sinnvoll, die im ORF publizierte Analyse nicht als alleinige Grundlage der Interpretation des Wahlergebnisses heranzuziehen.

Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse

 

Graphische Darstellung der Wählerströme

 

Wie ist diese Graphik zu lesen (ein Beispiel):

Der erste Balken dieser Graphik repräsentiert die SPÖ-Stimmen von 1995. Die Unterteilung dieses Balkens gibt an, wie sich die SPÖ-Wähler von 1995 bei der Wahl 1999 auf sämtliche kandidierenden Parteien verteilt haben. Da die SPÖ über ca. 80% ihrer Wähler halten konnte, ist der rote Teilbalken der größte Teilbalken des gesamten SPÖ-Balkens. Da sie am stärksten an die FPÖ verloren hat, ist der blaue Teilbalken der zweitgrößte Teilbalken.

 

Wie ist diese Graphik zu lesen (ein Beispiel):
Der erste Balken dieser Graphik stellt die Zusammensetzung der SPÖ-Stimmen von 1999 dar. Man sieht ganz deutlich, daß die SPÖ fast nur von Wählern gewählt wurde, die sie auch schon bei der NRW 95 gewählt haben. Dazugekommen ist nur eine ganz kleine Gruppe früherer ÖVP-Wähler.

 

Tabellenteil

Wählerbewegungen in Stimmen bundesweit

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

SPÖ

1439000

0

213000

25000

14000

17000

100000

26000

ÖVP

22000

1177000

65000

18000

23000

8000

27000

11000

FPÖ

0

1000

898000

5000

2000

13000

125000

28000

GR

0

0

3000

183000

13000

0

15000

14000

LIF

0

0

4000

67000

92000

1000

85000

22000

NW+So

1000

0

8000

12000

6000

6000

1152000

14000

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
Die erste Zeile bedeutet, daß von allen Wählern, die 1995 die SPÖ gewählt haben, 1439000 auch 1999 wieder die SPÖ gewählte haben. 213000 SPÖ-Wähler von 1995 sind 1999 zur FPÖ gewechselt usw. Die ausgewiesenen Zahlen sind mit einer statistischen Schwankungsbreite, die für jede Partei getrennt in der letzten Spalte ausgewiesen werden, behaftet. Korrekterweise sollte man daher sagen, daß zwischen 1413000 und 1465000 SPÖ-Wählern von 1995 auch 1999 die SPÖ gewählte haben

Saldierte Wählerströme bundesweit

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

SPÖ

1439000

22000

-213000

-25000

-14000

-17000

-99000

ÖVP

-22000

1177000

-64000

-18000

-23000

-8000

-27000

FPÖ

213000

64000

898000

-2000

2000

-13000

-117000

GR

25000

18000

2000

183000

54000

0

-3000

LIF

14000

23000

-2000

-54000

92000

-1000

-79000

DU

17000

8000

13000

0

1000

6000

NW

99000

27000

117000

3000

79000

-6000

0

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
Die erste Zeile bedeutet, daß die SPÖ etwa 1439000 Wähler von 1995 „halten konnte". Die Stimmenbilanz gegenüber der FPÖ beträgt -213000 Stimmen, die SPÖ hat also 213000 Stimmen mehr an die FPÖ verloren als sie von der FPÖ gewonnen hat (da sie, siehe vorige Tabelle, überhaupt keine Stimmen von der FPÖ gewinnen konnte, ist in diesem speziellen fall Nettobilanz gleich Bruttobilanz).

Wählerbewegungen in Prozent der Ausgangspartei bundesweit

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

SPÖ

79.6%

0.0%

11.8%

1.4%

0.8%

0.9%

5.5%

1.4%

ÖVP

1.6%

87.9%

4.8%

1.3%

1.7%

0.6%

2.0%

0.8%

FPÖ

0.0%

0.1%

86.0%

0.5%

0.2%

1.2%

12.0%

2.7%

GR

0.0%

0.0%

1.6%

85.2%

6.0%

0.0%

7.2%

6.6%

LIF

0.0%

0.0%

1.5%

27.0%

36.9%

0.5%

34.0%

8.6%

NW

0.1%

0.0%

0.7%

1.0%

0.5%

0.5%

97.2%

1.1%

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
Die erste Zeile gibt an, wie sich die SPÖ-Wähler von 1995 bei der NRW 99 anteilsmäßig auf die Parteien verteilt haben. Die SPÖ konnte 79,6% ihrer Wähler halten. Sie verlor 11,8% ihrer Wähler (von 1995) an die FPÖ und 5,5% ihrer Wähler gaben ihre Stimme nicht für eine der in unserer Untersuchung ausgewiesenen Parteien ab.

 

Zusammensetzung der Parteienstimmen bundesweit

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

NW

SPÖ

98.4%

1.5%

0.0%

0.0%

0.0%

0.1%

ÖVP

0.0%

99.9%

0.1%

0.0%

0.0%

0.0%

FPÖ

17.9%

5.4%

75.3%

0.3%

0.3%

0.7%

GR

8.1%

5.7%

1.7%

59.0%

21.7%

3.9%

LIF

9.3%

15.6%

1.2%

8.6%

61.6%

3.7%

NW

37.3%

17.0%

29.2%

0.0%

2.7%

13.8%

 

Wie ist diese Tabelle zu lesen (ein Beispiel):
98,4% der SPÖ-Wähler von 1999 haben schon 1995 die SPÖ gewählt, 1,5% der SPÖ-Wähler haben 1995 die ÖVP gewählt.

 

Wählerbewegungen in Stimmen bundesländerweise

SPÖ-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

B

73000

0

5000

0

0

0

3000

1000

K

112000

0

18000

3000

0

1000

6000

3000

N

310000

0

32000

0

0

3000

23000

4000

O

249000

0

22000

8000

6000

5000

28000

4000

Sa

74000

0

11000

2000

0

0

6000

2000

St

235000

0

29000

6000

3000

4000

20000

3000

T

79000

0

9000

4000

2000

3000

9000

3000

V

30000

0

4000

1000

1000

0

5000

2000

W

277000

0

82000

0

0

0

0

24000

 

ÖVP-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

B

1000

55000

0

1000

0

0

1000

1000

K

3000

51000

3000

3000

0

1000

0

3000

N

4000

304000

16000

3000

2000

2000

2000

3000

O

10000

223000

8000

2000

0

1000

0

2000

Sa

3000

73000

4000

1000

1000

1000

0

2000

St

0

185000

29000

3000

2000

1000

0

3000

T

1000

113000

1000

0

0

1000

4000

2000

V

0

56000

0

0

0

0

6000

2000

W

0

117000

3000

5000

18000

0

13000

9000

 

FPÖ-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

B

0

0

28000

0

0

0

3000

2000

K

0

0

103000

0

0

0

9000

4000

N

0

0

157000

0

0

0

10000

7000

O

0

0

180000

0

0

0

0

4000

Sa

0

0

62000

3000

2000

0

6000

4000

St

0

0

145000

3000

0

0

12000

5000

T

0

0

83000

0

0

2000

21000

3000

V

0

1000

42000

0

0

0

9000

2000

W

0

0

98000

0

0

11000

56000

26000

 

GR-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

B

0

0

0

3000

0

0

1000

1000

K

0

0

0

7000

0

0

3000

3000

N

0

0

0

30000

0

0

5000

4000

O

0

0

0

37000

1000

0

0

4000

Sa

0

0

0

12000

2000

0

1000

3000

St

0

0

0

22000

1000

0

5000

4000

T

0

0

3000

20000

0

0

0

3000

V

0

0

0

11000

0

0

1000

3000

W

0

0

0

40000

8000

0

0

10000

 

LIF-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

B

0

0

0

1000

1000

0

3000

1000

K

0

0

0

3000

7000

0

0

2000

N

0

0

0

10000

23000

0

15000

3000

O

0

0

0

7000

11000

0

16000

4000

Sa

0

0

0

3000

4000

0

10000

3000

St

0

0

0

4000

10000

0

16000

4000

T

0

0

0

8000

8000

0

6000

3000

V

0

0

3000

2000

4000

0

3000

3000

W

0

0

0

29000

23000

1000

17000

20000

 

NW+So-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW+So

Schw.

B

1000

0

4000

1000

1000

0

25000

2000

K

0

0

0

0

0

0

88000

6000

N

0

0

3000

10000

1000

5000

168000

6000

O

0

0

0

0

0

0

175000

5000

Sa

0

0

0

0

1000

0

74000

3000

St

0

0

0

0

0

0

175000

5000

T

0

0

1000

0

1000

0

89000

3000

V

0

0

0

0

2000

1000

48000

4000

W

0

0

0

0

0

0

311000

3000

 

 

Wählerbewegungen in Prozent der Ausgangspartei bundesländerweise

SPÖ-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

B

89.4%

0.0%

6.0%

0.1%

0.4%

0.6%

3.6%

1.8%

K

79.7%

0.0%

12.7%

2.2%

0.0%

0.8%

4.6%

2.1%

N

84.2%

0.0%

8.8%

0.0%

0.0%

0.8%

6.3%

1.1%

O

78.4%

0.0%

7.0%

2.5%

1.9%

1.5%

8.7%

1.3%

Sa

78.9%

0.0%

11.6%

2.4%

0.4%

0.5%

6.2%

2.0%

St

78.9%

0.0%

9.8%

2.1%

1.2%

1.3%

6.7%

0.9%

T

74.3%

0.0%

8.7%

3.8%

2.3%

2.5%

8.3%

2.4%

V

70.4%

0.0%

10.5%

3.5%

2.8%

1.0%

11.8%

4.5%

W

77.1%

0.0%

22.9%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

6.8%

 

ÖVP-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

B

2.0%

94.3%

0.0%

1.1%

0.3%

0.5%

1.9%

2.1%

K

5.3%

82.9%

5.4%

4.2%

0.3%

1.9%

0.0%

4.1%

N

1.1%

91.4%

4.7%

0.9%

0.5%

0.7%

0.7%

0.9%

O

4.0%

91.3%

3.3%

1.0%

0.0%

0.4%

0.0%

0.9%

Sa

3.2%

88.0%

5.4%

1.1%

0.8%

1.4%

0.0%

2.2%

St

0.0%

83.7%

13.1%

1.6%

1.0%

0.5%

0.0%

1.2%

T

1.0%

93.8%

1.1%

0.0%

0.0%

0.5%

3.6%

1.6%

V

0.0%

89.8%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

10.2%

2.8%

W

0.0%

75.3%

1.8%

2.9%

11.8%

0.0%

8.2%

5.7%

 

FPÖ-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

B

0.0%

0.0%

90.9%

0.2%

0.1%

0.5%

8.4%

5.1%

K

0.0%

0.0%

92.0%

0.0%

0.0%

0.0%

8.0%

3.7%

N

0.0%

0.0%

94.1%

0.0%

0.0%

0.0%

5.9%

4.0%

O

0.0%

0.0%

100.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

2.3%

Sa

0.0%

0.0%

85.6%

3.6%

2.4%

0.0%

8.4%

4.8%

St

0.0%

0.0%

90.9%

1.7%

0.0%

0.0%

7.4%

3.1%

T

0.0%

0.0%

78.4%

0.0%

0.0%

1.4%

20.2%

2.6%

V

0.0%

1.4%

81.7%

0.0%

0.0%

0.0%

16.9%

4.8%

W

0.0%

0.0%

59.3%

0.0%

0.0%

6.9%

33.8%

15.6%

 

GR-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

B

0.0%

0.0%

0.0%

77.4%

1.1%

0.0%

21.6%

32.1%

K

0.0%

0.0%

0.0%

69.1%

0.0%

0.0%

30.9%

30.5%

N

0.0%

0.0%

0.0%

87.0%

0.0%

0.0%

13.0%

11.1%

O

0.0%

0.0%

0.0%

96.7%

3.3%

0.0%

0.0%

11.2%

Sa

0.0%

0.0%

0.0%

84.1%

11.0%

0.0%

4.8%

21.7%

St

0.0%

0.0%

0.0%

77.3%

5.2%

0.0%

17.5%

15.0%

T

0.0%

0.0%

14.9%

83.7%

1.4%

0.0%

0.0%

14.5%

V

0.0%

0.0%

0.0%

90.5%

0.0%

0.0%

9.5%

20.5%

W

0.0%

0.0%

0.0%

83.2%

16.8%

0.0%

0.0%

21.4%

 

LIF-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

B

0.0%

0.0%

7.6%

20.6%

26.6%

0.0%

45.2%

24.8%

K

0.0%

0.0%

0.0%

33.0%

67.0%

0.0%

0.0%

20.1%

N

0.0%

0.0%

0.0%

21.0%

47.8%

0.0%

31.3%

7.3%

O

0.0%

0.0%

0.0%

19.8%

34.0%

0.0%

46.2%

11.8%

Sa

0.0%

0.0%

0.0%

16.2%

24.1%

0.0%

59.7%

19.9%

St

0.0%

0.0%

0.0%

13.7%

32.4%

0.0%

53.9%

13.5%

T

0.0%

0.0%

0.0%

36.3%

35.5%

0.0%

28.2%

12.9%

V

0.0%

0.0%

27.8%

17.8%

33.6%

0.0%

20.7%

23.4%

W

0.0%

0.0%

0.0%

41.2%

33.2%

1.7%

23.9%

28.1%

 

NW+So-Wähler von 1995

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GR

LIF

DU

NW

Schw.

B

3.5%

0.0%

13.3%

3.5%

3.2%

0.9%

75.6%

6.3%

K

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

100.0%

6.6%

N

0.0%

0.0%

1.6%

5.5%

0.4%

2.8%

89.6%

3.4%

O

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

100.0%

3.1%

Sa

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

1.0%

0.0%

99.0%

4.4%

St

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

100.0%

3.0%

T

0.0%

0.0%

1.0%

0.2%

1.3%

0.0%

97.6%

3.5%

V

0.0%

0.0%

0.0%

0.9%

3.6%

1.0%

94.5%

8.0%

W

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

0.0%

100.0%

1.1%

 

Methodische Bemerkungen

Die vorliegende Wählerstromanalyse berechnet Schätzwerte für den Umfang der Wählerbewegungen zwischen den einzelnen Parteien Sie verwendet dazu die Wahlergebnisse aller Gemeinden. Zunächst eine methodische Erläuterung am Beispiel des Vergleichs von NRW 95 und der NRW 99: Grundlage der verwendeten Methode ist die Annahme, daß sich die Wähler einer bestimmten Partei von 1995 diesmal (also 1999) in allen Gemeinden eines Bundeslandes nach etwa demselben Verteilungsschlüssel auf die 1999 kandidierenden Parteien aufgeteilt haben, daß also beispielsweise der Anteil aller SPÖ-Wähler von 1995, die 1999 die ÖVP gewählt haben, in allen Vorarlberger Gemeinden annähernd gleich war. Ohne eine solche oder ähnliche Annahmen sind Wählerstromanalysen nicht möglich. Unter dieser Annahme lassen sich mit ziemlich aufwendigen mathematisch-statistischen Verfahren die Wählerströme schätzen, und man kann zusätzlich auch Schwankungsbreiten für diese Schätzwerte angeben. Für die politische Interpretation der Ergebnisse ist die Angabe von Schwankungsbreiten von hoher Bedeutung, weil Wählerbewegungen, deren Umfang mit hoher statistischer Absicherung angegeben werden kann, andere Schlußfolgerungen zulassen als mit hohen Unsicherheiten behaftete Schätzungen. Verfahrensfragen

Verfahrensfragen

Bei Wählerstromanalysen gibt es drei Hauptprobleme technischer Natur:

Man muß eine eigene zusätzliche "Partei der Nichtwähler" einführen, weil das Nichtwählen eine mögliche zu berücksichtigende Wählerentscheidung ist. Daher muß man auch Wählerströme von und zu dieser Gruppe berechnen und diese natürlich auch in der Analyse ausweisen. Selbstverständlich kann eine Wählerstromanalyse nur Auskunft über die Neuaufteilung der Wähler jener Parteien geben, die bei der betrachteten Vorwahl tatsächlich kandidiert haben.

Eigentlich geht das mathematische Modell der Wählerstromanalyse von der Fiktion der gleichen Wählerschaft bei beiden untersuchten Wahlen aus. Das entspricht natürlich nicht ganz der Wirklichkeit. Prinzipiell wäre es auch möglich, diese Änderung der Wählerschaft im Modell der Analyse zu berücksichtigen, allerdings stehen die dafür notwendigen Daten nicht zur Verfügung. Daher müssen wir uns mit einer Fiktion behelfen. Wir gehen von einer fiktiven Vorwahl aus, die etwa am Tage vor der aktuellen Wahl stattgefunden haben könnte, und bei der schon alle Wähler der neuen Wahl teilgenommen haben. Das (fiktive) Ergebnis dieser Wahl setzen wir so an, daß die Parteien dabei dieselben Anteile erreichen wie bei der realen Vorwahl. Das bedeutet ungefähr, daß wir zunächst einmal annehmen, daß die weggestorbenen Wähler und die Erstwähler bezogen auf die kandidierenden Parteien der Vorwahl etwa dieselbe Zusammensetzung aufweisen wie jene Wähler, die tatsächlich bei beiden Wahlen teilgenommen haben. Die berechneten Wählerströme beziehen sich dann auf den Vergleich der fiktiven Vorwahl mit der aktuellen Wahl. Hätten die weggestorbenen Wähler in höherem Maße für Partei A gestimmt als die restlichen Wähler und die hinzugekommenen Erstwähler in höherem Maß für Partei B, dann würde sich das in der statistischen Analyse als Wählerstrom von Partei A zu Partei B äußern.

Statistische Methoden liefern bei sehr kleinen Parteien keine zuverlässigen und aussagekräftigen Schätzungen mehr. Daher werden in der vorliegenden Analyse nicht alle kandidierenden Parteien untersucht, sondern nur die bereits im Parlament vertretenen. Die restlichen Stimmen werden mit den Nicht- und Ungültig-Wählern zusammengefaßt. Jene Gruppe, die wir im folgenden mit der Abkürzung NW+So bezeichnen werden, besteht also aus den Nichtwählern, den Ungültig-Wählern und den Wählern der in der Analyse nicht gesondert ausgewiesenen Kleinstparteien.